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25 September 2007

bwl-leben losgelassen

hi ho

matilda: ja nein ich weiß nicht... ich denke, ich würde es am liebsten sein lassen, über meine mutter nachzudenken. es wäre mir ja auch sehr lieb, wenn ich gar nicht erst die idee bekäme, in ihr eine ursache für aktuelle probleme zu vermuten...

ich habe eine immer noch sehr starke neigung dazu, alles, was meine mutter an negativen gefühlen in mir auslöst, zu negieren. es war mir auch tatsächlich mein bisheriges leben lieber, die berühmt-berüchtigte SCHULD an unseren differenzen allein bei mir zu suchen - immerhin war das ja auch der ansatz meiner mutter. mitschwimmen ist immer ein zustand, der einem angenehmer erscheint. angenehmer ERSCHEINT! wenn man dann mitschwimmt, muss man hingegen schauen, ob man sich nicht unterbuttern lässt oder ähnliches.

womit wir dann (oho) irgendwie gedanklich beim thema "abhängigsein" landen, nicht wahr?

erstmal die gute nachricht: ich bleibe trotz teilweise richtig beherrschender versöhnungs-, anpassungs- und mitschwimmtendenzen (und noch stärkerer sehnsüchte) standhaft und halte distanz zu meiner mutter. zugegeben, am telefon bin ich wieder netter geworden - und zwar doch für meine spröde art ZU nett, denn ich fühle nicht, was ich sage. so sage ich meiner mutter, dass ich sie lieb habe, doch ich weiß bei gott nicht, ob das stimmt. ich weiß halt, dass sie es hören will, wenn SIE es mir sagt. ich weiß einfach, dass DAS ihre welt ist, und ich habe einfach seit jahren kapituliert vor den ewigen bemühungen meinerseits, meinen sinn für ehrlichkeit und gefühlsechtheit (nein ich rede NICHT von kondomen *g* ) rüberzubringen.

heute waren wir gemeinsam in berlin unterwegs, matilda... wie gerne erzähle ich das, denn es klingt so harmonisch. es WAR auch harmonisch. sie hat nichts falsches gesagt und mir auch nicht das gefühl gegeben, dass etwas nicht in ordnung wäre. wenn man es genau nimmt, lief es so gut wie noch nie. und doch... ich handele aus mitleid. ja, neben meinen anpassungssehnsüchten, meinen harmoniewünschen, daneben gibt es auch das motiv mitleid.

meine mutter ist heute für ihre verhältnisse sehr ehrlich und echt gewesen - soll ich ihr da nicht die hand reichen? soll ich da nicht mal zeit für sie investieren, soll ich ihr da nicht mal das sagen, was sie hören will? es handelt sich ja immerhin nicht um den sonst nicht ganz seltenen wunsch nach gehirnwäsche (ihrerseits), wenn sie mich auffordert, ihr zeit und möglichst auch zuneigung zu schenken.

*seufz*

isabel:

steter tropfen, isabel, ja der stete tropfen hat auch meinen "stein" gehöhlt. ich habe die klausuren geistig erstmal gestrichen in meinem hirn. es gibt sie jetzt schon seit 3 tagen nur als kleine alpträume ohne realitätsanspruch in meiner wahrnehmung. und... ich mache seit 3 tagen, was ich möchte. und das ist zwar (noch) nicht das buch-schreiben, wohl aber das browsergame-programmieren.

nun, geld haben wir ja nicht. so what - ich habe mehrere umsonst-anbieter für webspace angetestet und dann vor drei tagen einfach nägel mit köpfen gemacht bei dem besten dieser umsonst-anbieter. dort habe ich mit monsieurs hilfe eine datenbank ins leben gerufen und mit dem üblichen trara begonnen - webspace-anbieter anflehen wegen diesem, webspace-anbieter anflehen wegen jenem.

wisst ihr, ich hatte schon einmal eine datenbankanbindung probiert. damals noch bei einem bezahl-anbieter. monsieur und ich sind wahnsinnig geworden. es war zum hühnermelken: nichts hat so funktioniert, wie es in den büchern stand. jedes bißchen musste man erst falsch machen, dann analysieren und schließlich aus der welt schaffen.

will sagen:

seit 3 tagen ziehe ich es durch und mache unser insel-browsergame. im unterschied zu den absprachen zwischen monsieur und mir geht der prototyp des spiels jetzt nicht auf der grundlage von java-applikationen an den start, sondern mit stinknormalem php.

php kann monsieur nicht - ich auch nicht wirklich,, aber ich habe noch die zwei bücher von damals, wo ich mit meinem schreibbüro die datenbankanbindung versucht hatte.

hm

ein zwischenfazit wäre eigentlich, dass ich froh bin. aber stellt euch vor: ich bin nach zwei guten tagen gestern übel drauf gekommen. schlechtes gewissen!

nein, ich habe nicht über die kommenden klausuren nachgedacht, im gegenteil: ich habe mir ganz fest gedacht, dass ich mich auf mich und auf mein glück verlassen sollte.

immerhin hab ich mich schon einmal völlig (!) meinen eigenen wünschen anheimgegeben. das war damals gewesen, als ich so viel im liebeskummer-forum geschrieben hatte.

und was ist dabei herausgekommen? nun, ich hatte eben dann glück! ich habe monsieur gefunden. und ich habe das, was ich theoretisch in der therapie mit auf meinen lebensweg bekommen hatte, umgesetzt (also: meine kanzlei aufgegeben, weitere schritte richtung selbst unternommen).

was ist dann daran so falsch? wieso das schlechte gewissen?

ich glaube, es ist wie die distanz zu meiner mutter: ich habe einfach JAAAAAAHRELANG keine entscheidungen für mich getroffen, sondern ausschließlich in ABHÄNGIGKEIT von dingen.

womit wir (oho) ja schon wieder beim thema wären *hihi*...

ich bin jetzt immer noch in einem geflecht von anforderungen: in eingebildeten notwendigkeiten, aber auch in werten, die ich aktiv (und zu meinem wohl) anerkenne. aber ich bin jetzt in einem geflecht von abhängigkeiten, in denen dieses wahnsinnige unverständnis fehlt. jetzt bin ich nämlich einerseits nicht mehr so wirklich daran interessiert, dass ich auf verständnis und vielleicht sogar noch auf zustimmung stoße... und jetzt befinde ich mich auch einfach in einer situation, in der eben (komischerweise...) verständnis herrscht.

ähm

also noch mal ganz kurz: isabel, ich habe mein bwl-leben gerade losgelassen. ich habe nur noch zwei prämissen: jobsuche und browsergame-programmieren. letzteres wird bei bedarf und bei entsprechender muse ausgetauscht in buch-schreiben.

:-)

ich wünsch euch was!

gruß

sine

16 September 2007

kaffeetrinken?

hallo und guten morgen!

ich habe gerade darüber nachgedacht, dass die zeit vergangen ist. wisst ihr, manchmal versetzt einem ein geruch oder eine erinnerung originalgetreu (zumindest kommt es mir "originalgetreu" vor *g*) zurück in die vergangenheit.

diesmal war es die erinnerung an einen film. es ging in unserem insel-browsergame mki um den 1992 herausgekommenen film "aus der mitte entspringt ein fluss".

mir ist - nach einem kurzen staunen darüber, wie lange 1992 eigentlich schon her ist - plötzlich eingefallen, wie ich mich damals gefühlt hatte. ich hatte mich traurig gefühlt - und ich hatte das gefühl, dass alles MIT MIR GESCHIEHT. also, ich hatte gar keine idee davon gehabt, dass das MEIN LEBEN ist, sondern ich war zu 100% der ansicht, ich müsste maßstäbe, erwartungen, schemata erfüllen.

*schock*

das erschließt sich mir erst jetzt, aus der rückschau.

ich bin mittlerweile durch beide klausuren durchgefallen, die ich im august geschrieben hatte. also durch mathe: ok. aber kostenrechnung: ach du scheisse!

:-(

ja, und dann frage ich mich, wie ich mein erstes studium hinbekommen hatte. ich frage mich auch, ob es DOCH einen unterschied gibt zwischen der person, die das jurastudium mit anfang 20 studiert hat, und der person, die ich jetzt bin. so nach dem motto: wenn man älter ist, fällt einem das lernen ja bekanntlich schwerer.

ich habe nicht den eindruck, dass das lernen schwerer fällt. vielleicht will ich es mir auch bloß nicht eingestehen, who knows.

mein eindruck ist, dass ich dieselbe bin, dass sich aber die welt verändert hat.

und ganz nebenbei stelle ich dann DOCH fest, dass auch ich mich verändert habe. ich glaube ja dennoch nicht, dass sich das auf meine fähigkeit zu lernen ausgewirkt hat, dass ICH MICH VERÄNDERT habe, aber - nun es es ist dennoch erstaunlich, es zu verstehen. und es fällt mir auch nicht so wirklich leicht, es einzuordnen und zu akzeptieren.

kann man schlüsse ziehen?

ich habe ferngeschaut. es kam ein bericht über britney spears. ein psychologe erläuterte, dass die sängerin eine "übermutter" gehabt hätte (und wohl noch hat). britney spears verhalten in den letzten jahren (glatze rasieren, tätowieren lassen, heulen, nachdem man beides veranstaltet hat und behaupten, die mutter sei jetzt bestimmt sauer auf sie) sei ein aufbäumen gegen die "übermutter".

ja ich weiß: das ist karo-einfach und bla.

aber manchmal ist das, was mit der psyche so los ist, auch von außen betrachtet weit weniger kompliziert, als es einem selbst vorkommt.

ich frage mich also, ob ich nicht selbst gegen meine eigene "übermutter" rebelliert habe. ich habe ja von der total lieben und angepassten tochter gegen ende meines studiums den weg zur extremen persönlichkeit am rande der gesellschaft gesucht. kein wunder, dass ich als anwältin dann das gefühl hatte, dass ich ein spagat machte: ich erfüllte tagsüber die wünsche meiner mutter, und abends holte ich mir dann etwas, was wohl wieder nicht wirklich alles etwas mir MIR zu tun hatte, aber was mein bedürfnis nach widerstand gegen meine mutter erfüllen konnte.

aus herrn bieris buch "das handwerk der freiheit" habe ich noch im kopf, dass herr bieri meinte, dass ein befreiendes verhalten noch lange keine wirkliche freiheit ist. in dem buch wird das beispiel einer frau gebracht, die wegen ihres tyrannischen ehemanns keine minute am flughafen kaffee trinken und entspannen darf. als sie jahre später am selben flughafen ist (und sich von ihrem mann getrennt hat), trinkt sie einen kaffee und denkt an früher. da sie den kaffee in dem buch von herrn bieri ganz bewusst trinkt, verwendet herr bieri diese szene als beispiel für jemanden, der auch ohne einen (äußeren) zwang in sich noch zwänge lebt - und sei es nur als spiegelbild des einst erzwungenen verhaltens.

hm

wenn es so ist, dann bin ich hier an der richtigen stelle. ich habe keinen kontakt zu meiner mutter. meine mutter übernachtet dank meiner beziehung mit monsieur auch nicht mehr bei mir zuhause. und ich mache ein studium, das meiner mutter missfällt.

aha

stichpunkt studium: ich habe aber ein studium GEWÄHLT, von dem ich glaubte, es würde meiner mutter gefallen! dass ich es ihr mal wieder nicht recht machen konnte und sie regelrecht überredet habe, mir mein studium zu gönnen, hatte mich damals ja ganz schön irritiert.

aha soso

*hmpf* und heißt das nun... dass ich mal wieder spagat betreibe? ein spagat, der die ansprüche meiner mutter (auch die von mir falsch verstandenen ansprüche bzw. auch die versuche, den ansprüchen meiner mutter zu widerstreben) und meine eigenen wünsche verbinden soll?

*dumm klingt's nicht*

ich muss zugeben, das erleichtert mich. der gedanke, ich bin noch gar nicht 100%ig bei MIR, sondern bin noch wie die frau in herrn bieris buch am "kaffeetrinken", ist beruhigend. warum kümmert es mich, wenn dieses studium gegen die wand fahren sollte? weil ich von mir selbst entttäuscht bin... oder vielleicht, weil ich dann meiner mutter eine sache nicht beweisen konnte?

nein, das ist kein abgesang auf mein studium.

aber ein schöner gedanke.

isabel: ich habe übrigens das deutliche gefühl, dass ich bald mit schreiben anfange. herrje, ich hab IMMER NOCH keinen halbtagsjob mit einem erklecklichen einkommen. und wenn ich noch lange auf diesen zustand warte, dann werde ich mein buch noch verpassen!

ich lerne jetzt noch auf die klausuren im oktober, und falls es mich aber vorher juckt, lege ich (wieder) los mit meinen krimis. und spätestens danach...! :-D

matilda: oh danke, dass du geschrieben hast, dass das bewerbungsverfahren immer so an dem selbstbild zerrt.

Matilda wrote:

übrigens, schon mal jemanden kennen gelernt, bei dem die bewerbungsphase nicht am selbstbewusstsein rüttelt?!


auch, wenn @zitro früher glaubte, halbes leid ist keine erleichterung: für mich ist es SEHR erleichternd, das zu hören. es ermutigt mich, das hinzunehmen, was nunmal so ist. und es ermutigt mich, es mit stolz zu akzeptieren, denn du und wohl manch anderer hat das auch durchgemacht und ist dabei nicht untergegangen *g*.

so

dann wünsche ich noch einen schönen tag!

gruß

eure sine

13 Mai 2007

zukunftsangst?

huhu isabel...!

och, also gegen feedback hab ich nichts. hab ich mir feedback denn ausdrücklich verbeten? *nachdenk*

ich glaub nicht, aber manchmal vergisst man dinge. sorry, ich freue mich natürlich über feedback, insbesondere auch über kräftiges "gegen-das-schienbein-treten" wie in deinem letzten posting.

ja

weißt du, mir verstellt sich der blick darauf, dass ich so außergewöhnlich sein soll.

Isabel wrote:
Deine Selbsteinschätzung ist ganz offensichtlich so sehr konträr zu meiner Fremdeinschätzung und ich überlegte schon oft, woher, wodurch das kommt.


wenn mir wirklich jemand den selbstzweifel so eingetrichtert hat, dass er mir ein so "falsches" selbstbild beschert hat, wie du sagst, dann erklären sich meine probleme tatsächlich mit dieser einfachen tatsache.

ich werde darüber nachdenken, versprochen.

nochmal Isabel:
[...] Aggressivität und auch ein wenig Abgebrühtheit. Ich wusste lange nicht, ob ich das habe. Du hast es definitiv nicht.
Also muss das anders bewältigt werden, es muss irgendwie raus! [...]
Du kannst - so vermute ich - nur auf eine Art und Weise so etwas bewältigen: du musst darüber schreiben. Also bitte schreibe! Was macht dein Buch, so lange schon hast du nichts mehr davon erzählt…


ja du hast recht. gerade dieser todesfall vor einer woche hat mich wieder an meine krimi-schreiblust erinnert.

was mein buch macht? seit stuttgart habe ich nichts mehr geschrieben. allerdings ist es normal, dass ich so etappen in meinem leben habe. ich wollte doch eigentlich, dass das buch als manuskript (zumindest) fertig ist, wenn ich zurück nach berlin komme. das hab ich nicht geschafft, oder ich hab nicht das gefühl, dass es ein manuskript ist - und damit war dann auch erstmal eine etappe zumindest in zeitlicher hinsicht erreicht.

ich hatte dir ja einige sachen geschickt, danke für dein interesse. das schreiben an sich ist etwas anderes als dieses brainstorming bezüglich der protagonisten etc. ich muss zugeben, ich fand das schreiben so höchstpersönlich, dass ich es erstmal nicht rausgeschickt habe und vermutlich auch nicht rausgeben werde.

ich weiß, dass ich mir so im grunde während dieses semester das schreiben verkneifen werde. das ist vielleicht sehr schlecht, das kann stimmen...

Isabel wieder:
[...] dieses Studium. Ich würde mich sehr täuschen und dürfte nie wieder einen Menschen einzuschätzen versuchen, wenn du mir jetzt allen Ernstes erzählen willst, BWL macht dir Spaß!
Mir scheint es eher wieder als einen deiner Umwege.


*lach*

nein, bwl macht mir keinen spaß. ich habe im moment eine neue therapie gefunden, mich irgendwie an bwl dennoch anzunähern: ich stelle mir vor, dass ich das ganze gelabere in unserem browsergame als feature umsetze. das schärft meine aufmerksamkeit.

außerdem frage ich mich, warum mich das alles eigentlich schon interessiert, aber schon bald für mich wieder in der bedeutungslosigkeit versinkt... darüber wage ICH es nicht, mir weitere gedanken zu machen.

aber vielleicht hast du recht: ich bastele mir mal wieder ein alibi dafür, dass ich eigentlich ich selbst sein möchte. letzteres verschiebe ich aber, weil das alibi mal wieder eine nummer zu groß gewählt wurde... ;-)

Nur warum du eher den Umweg suchst, das wage ich nicht zu interpretieren.


nee... ist nicht, isabel! raus mit der sprache. wir sind hier im reich der worte. das weglassen von worten ist daher irgendwie unfair!

*g*

also warum suche ich deiner meinung nach umwege?

aber danke schonmal für den kleinen tritt vors schienbein.

*drück*

gruß

sine

17 Dezember 2006

@Paragraefin's worte

aha!

also nachdem ich mal gehorcht habe, ob mit dem blog alles funzt, fiel doch glatt der name "paragraefin"... *g*

ja auch wenn ich mehr als deutlich verstehen kann, dass alles seine phase hat und es viele gründe gibt, wenn ich nichts mehr von dir höre, liebe @para, dann werd ich trotzdem mal den hinweis auf dich als anlass nehmen, alle gedanken, die ich die letzten wochen hatte und die mir DIR in zusammenhang standen, hier mal irgendwie zu verposten.

ja

ich habe nämlich viel an para gedacht!

und zwar fand ich meine situation im job irgendwie so ähnlich wie das, was du, @para, so erzählt hattest. mal sehen, ob ich noch ein antikes posting finde, in dem du dich dazu geräuspert hattest... *such*

aha hier ist ein posting, was mir immer im kopf rumspukt:

@Paragraefin wrote (16.09.2005):
Ich konnte mich nicht damit abfinden, dass das wahre Leben so ganz anders ist. Nämlich voll von Intrigen, Machtspielchen, stupider Tätigkeit, etc. Ich dachte immer, es gibt DEN JOB für mich. Gab es aber nicht [...]
äääh... *nicht gern über dieses thema sprechen*

leider könnte das jetzt auch von mir stammen. damals, als DU es geschrieben hattest, @para, hab ich noch nicht so gedacht. ich fand, dass ich naiv war, ich fand aber schon auch, dass meine kollegen intrigant und machtgeil waren. aber ich dachte noch, es liegt an MIR!

ich dachte, ich bin im falschen film! falsches studium, falsche kollegen, falscher berufsinhalt... ergo: alles nicht am rechten platz, ich musste mich also verändern!

so

habe mich verändert

ich habe eine therapie gemacht. ich habe meine selbstzweifel verbannt und meinen job als anwältin aufgegeben (<-- gefühlte richtigkeit dieser entscheidung: 100%, gedachte richtigkeit: 80%, tendenz leicht sinkend). ich habe ein studium begonnen und das erreicht, was ich mir gewünscht hatte - ein praktikum, dazu noch in einer interessanten firma. ernsthaft! für mich war die option, praktika machen zu können, am bwl-studium sehr sehr interessant und ehrlich gesagt für mich sogar am interessantesten!

warum eigentlich? tja ehrlich gesagt hatte ich durchaus gehofft, dass ich irgendwo übernommen werden könnte und sich der rest des studiums dann vll. erledigt hätte. ich hatte nämlich so gedacht: bewerbungen sind scheisse. nicht nur, dass sie generell schwierig sind - nein, ich hatte auch noch die schlechten noten vom studium drinstehen. UND ich hasse es, mich zu bewerben - die wirkung MEINER bewerbungen würde ich also keinesfalls überbewerten. aber... ich bin es gewohnt, dass im kontakt mit menschen IM JOB alles sehr schnell zu meinen gunsten läuft. ich konnte auch meinen gegnern zähne ziehen und danach mit ihnen einen handshake zustandebringen - zumindest ist so meine erinnerung. noch mehr selbstvertrauen aber habe ich, weil ich mit meinen mandanten meist sehr gute mandatsverhältnisse aufbauen konnte. dass viele - für meinen geschmack ZU VIELE - mandanten am ende oder wann auch immer, wenn die rechnung(en) kam(en), umgeschwenkt sind, mag für einen coolen business-menschen bedeuten, dass meine arbeit belächelnswert ist. nein, das finde ich nicht, denn ich weiß, welchen menschen ich dann schließlich das geld abgenommen habe und es wundert mich nicht, dass es gerade in der klientel menschen gibt, die eben noch einsichtig waren und anschließend schon wieder auf einer anderen welle mitschwimmen.

also mein plan, die praktika für mich zu nutzen, bestand schon sehr lange. aber es gabe AUCH den wunsch, bei den firmen hinter "die kulissen" schauen zu können. wisst ihr eigentlich, wie es ist, wenn jemand zur kanzleitür hereinkommt und sagt: 'ich möchte gerne eine gmbh gründen. bitte bedenken sie, dass es schnell gehen muss - wir möchten uns aus einem gemeinsamen projekt, das im streit geendet hat, soviele rechte wie möglich sichern. dazu gehört auch der projektname und und und...". da steht man da und weiß, dass man nichts weiß. ich habe dann viel gelesen, aber ich würde dem juristischen gewäsch immer misstrauen - es sagt über die lebenswirklichkeit ja nichts aus oder betont gerade solche dinge, die sehr grausam erscheinen. ich hab mich also schon immer für jede (!) form von teamarbeit interessiert, und wenn jemand eine firma gründen möchte, dann ist das für mich auch interessant. meine eigene "firma" ist und blieb eine one-(wo)man-show, und die schwächen einer solchen "one-(wo)man-show" kannte ich zu genüge und war auf der suche nach alternativen. wie hieß der eine spruch? du kannst nicht die welt verändern, aber du kannst DICH verändern.

uiii

:-/

ich habe mich verändert, und thx god beziehe ich schon nicht ALLES auf mich - nicht mehr. dazu bin ich jetzt zu sicher, dass ich schon einige dinge erlebt habe. sollten dieselben situationen WIEDER auftauchen, ziehe ich natürlich in betracht, dass ich etwas falsch gemacht habe - stichpunkt probleme kehren so lange wieder, bis sie gelöst sind.

aber!

aber es gibt auch die gewissheit, dass vielleicht nicht ICH die stellschraube bin, die solche situationen entschärfen können, denn... denn ich (!) habe mich verändert. ich habe mich unanfechtbar gemacht (so weit es geht unter berücksichtigung des eigenen egos, was ja immer gerne flüstert, dass man aber dinge "schon immer" so gemacht hätte und es nicht anders haben möchte), was geld und position angeht. ich habe nämlich aufgegeben, auf einer imaginären karriereleiter meine "stufe" zu verteidigen - nein ich habe mich einfach so unter dem vorwand, eine studentin zu sein, in eine firma geschmuggelt und habe übrigens dabei auch die absurdität einkalkuliert, dass man gerade WEIL ich nichts zu verlieren habe, angst vor mir hat.

tja

will sagen:

@para hatte recht. ich finde allerdings die "stupiden" tätigkeit immer noch extrem entspannend. ich war als selbständige von "stupiden" tätigkeiten sehr genervt - emails sortieren, akten in ordnung halten, telefone einrichten, kopieren, faxen... sie kosteten mich die zeit, die ich brauchte, um meine richtige ^^ arbeit zu tun. ich bekam nichts davon bezahlt, im gegenteil - jeder papierstau in meinem drucker bedeutete freizeitentzug für mich und eine kürzere phase, die ich außerhalb meines 10-qm-zimmerchens in der kanzlei verbringen durfte.

aber sonst: ja

es gibt sie überall, die intrigen, die machtspielchen.

ich saß mit meiner kollegin - verwenden wir den ersten buchstaben ihres vornamens, 'n', für sie - im "quietroom" und sie stellte mir die frage, wieso es hier so zuginge und fügte hinzu, dass sie sich überlegen würde, hier auch schnell wieder zu gehen, wenn es hier nur mit intrigen laufe.

sie meinte damit einerseits meine situation - also meine negative beurteilung und auch generell die situation, die auch auf sie zutrifft, nämlich dass unsere chefin so aufbrausend ist und ungerecht -, sie meinte damit aber auch die geschichte, die sich im moment gegen einen (nicht sonderlich beliebten) anderen kollegen richtet (dort sollte hinter seinem rücken ein vertrag geschlossen werden mit dem anbieter und vorne rum wollte man dann präsentieren, dass der kollege eine situation als "unlösbar" geschildert hatte, die in wahrheit lösbar war, und ihm damit anscheinend unfähigkeit nachweisen).

ich habe geantwortet: "n., ich glaube, es GIBT keinen job, bei dem nicht irgendwer so sehr an macht interessiert ist, dass er intrigen fährt. und dieser jemand wird in den meisten fällen bereits eine position mit macht bekleiden! das liegt daran, so glaube ich, dass manche menschen - ich nenne sie sadisten - so sehr nach macht und anerkennung lechzen, dass sie dafür alles tun - sie gehen auch über sich selbst hinaus und natürlich kämpfen sie auch mit allen mitteln. sie tun es, weil im gegensatz zu dir und mir diese menschen mit einem misserfolg nicht zurechtkommen! sie können nicht sagen: 'oh, schade', sondern sie fühlen sich andauernd auf der anklagebank und ihre vielleicht einzige hoffnung, einem prinzip zu genügen (einem prinzip, dass sie in ihrem eigenen kopf haben und von dem sie sich vorstellen, dass es auf ALLE zutrifft), ist: situationen zu meistern. das beschränkt sich leider nicht auf juristen, dass es menschen gibt, die andere verletzen und daran auch noch freude haben." da antwortete meine kollegin n. ziemlich ausführlich, dass sie aber "genau das" gedacht hätte und DESHALB aus ihrem job als juristin rausgegangen sei.

tja

wieder ein gedanke - so wie der oben genannte von @para -, der mir sehr (!) bekannt vorkommt.

es sind also (leider?) nicht die juristen schuld. nein, das problem erstreckt sich auf alle jobs.

als meine kollegin n. diesem gedanken gefolgt war, bekam sie richtig einen schreck. und so ist es doch mit uns allen, oder? wir gehen einen weg und wir haben hoffnung. und dann kommen wir in eine sackgasse. n. wollte gerne rückwärts wieder raus aus der sackgasse. ich nicht. ich habe mich schon mit "rückwärts-raus" beschäftigt. ich habe den glauben daran verloren, dass ICH vom weg abgekommen bin - ich glaube, das IST mein weg.

auf einem glückskeks-zettelchen, das ich vor 2 wochen in der kantine zum asiatischen essen bekommen hatte, stand:

Ihr Weg wird rosig und voller Romantik sein.

ich fand den spruch damals entsetzlich. ich hatte mein "praktikantengespräch" noch vor mir und mein gefühl sagte mir, dass es nicht so nett wird.

mittlerweile sehe ich es ein stück weit anders - ja. mein weg ist vielleicht WIRKLICH rosig und voller romantik!

es fällt mir richtig schwer, aber es bleibt dabei: ich werde schriftstellerin.

mensch ich hab solchen schiss, das zu werden.

*bibber*

gruß

sine